Eine kurze Geschichte des Tees

Tee begann als bittere Medizin in den Bergen im Südwesten Chinas. Im Lauf von zweitausend Jahren wurde er zur chinesischen Kunst, zur japanischen Zeremonie, zur britischen Gewohnheit und zu einer globalen Industrie – und machte unterwegs auch in Göteborg Station.

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Eine gusseiserne Teekanne und zwei dampfende Tassen auf einem dunklen Tisch

Legende und Ursprünge

Die bekannteste Erzählung über die Anfänge des Tees ist eine Legende. Der mythische Kaiser Shennong, der „Göttliche Landmann“, der die Chinesen Ackerbau und Kräuterheilkunde gelehrt haben soll, kochte im Schatten eines Baumes Wasser ab, als ein paar Blätter in seinen Topf wehten. Er kostete den Sud, fand ihn erfrischend – und der Tee war geboren. Die Überlieferung datiert das auf das Jahr 2737 v. Chr., doch aufgeschrieben wurde die Geschichte erst viel später, und Shennong ist eine Gestalt des Mythos, nicht der Geschichte.

Sicher ist: Die Teepflanze stammt aus der Region, in der der Südwesten Chinas auf Myanmar, Laos und den Nordosten Indiens trifft. Die Menschen dort kauten, kochten und brühten ihre Blätter schon lange, bevor irgendjemand darüber schrieb. Bergvölker in Yunnan pflegen bis heute uralte Teebäume, manche davon viele Jahrhunderte alt.

Der früheste handfeste Beleg für das Teetrinken kam 2016 ans Licht. Forschende untersuchten Pflanzenreste aus dem Grab von Kaiser Jing aus der Han-Dynastie, der 141 v. Chr. starb, und stellten fest: Es war Tee. Schriftliche Quellen aus derselben Zeit erwähnen, dass Tee gekauft und zubereitet wurde, und in den ersten Jahrhunderten n. Chr. war er ein bekanntes, wenn auch regional begrenztes Getränk.

Tang-Dynastie: Tee wird zur Kunst

Sein erstes goldenes Zeitalter erlebte der Tee unter der Tang-Dynastie (618–907). Er verbreitete sich vom Süden aus über ganz China, wurde bei Hof und in den Klöstern zum Alltagsgetränk und erstmals vom Staat besteuert.

Um 760–780 schrieb der Gelehrte Lu Yu Das Buch vom Tee (Cha Jing), das erste Buch, das sich ausschließlich dem Tee widmet. In drei schmalen Bänden beschrieb er, wie Tee wächst, wie er gepflückt und verarbeitet wird, welche Utensilien man braucht, welches Wasser am besten ist (Bergquellen vor Flüssen, Flüsse vor Brunnen) und wie man ihn zubereitet und serviert. Lu Yu behandelte Tee fast wie eine spirituelle Praxis und wird in China bis heute als „Weiser des Tees“ verehrt.

Der Tee der Tang-Zeit hatte mit dem, was die meisten von uns heute trinken, wenig gemein. Die Blätter wurden gedämpft, zerstampft und zu Kuchen gepresst. Für eine Schale Tee röstete man ein Stück davon, mahlte es zu Pulver und kochte es in Wasser auf, oft mit Salz.

Song-Dynastie: geschlagener Tee

Unter der Song-Dynastie (960–1279) kam Pulvertee in Mode, den man in einer Schale mit heißem Wasser schaumig schlug. Die Oberschicht liebte Teewettbewerbe, bei denen Kenner Farbe und Beständigkeit des Schaums beurteilten. Dunkel glasierte Schalen waren besonders geschätzt, weil sich der helle Schaum darin gut abhob.

Chinesische Teeutensilien auf einem niedrigen Holztisch
Chinesisches Teegeschirr. Die kleinen Kannen und Tassen der heutigen Gongfu-Zubereitung gehen auf den Wandel der Teeherstellung unter der Ming-Dynastie zurück.

Japan und der Weg des Tees

Buddhistische Mönche brachten den Tee schon im 8. und 9. Jahrhundert von China nach Japan, doch Wurzeln schlug er erst 1191, als der Mönch Eisai mit Teesamen und der Song-Methode des geschlagenen Pulvertees aus China zurückkehrte. 1211 verfasste er das Kissa Yōjōki, „Tee trinken zur Pflege der Gesundheit“, und empfahl den Mönchen Tee, damit sie beim Meditieren wach blieben.

In den folgenden Jahrhunderten wurde der geschlagene grüne Tee, den wir heute Matcha nennen, zu einem festen Bestandteil der Zen- und Samurai-Kultur. Im 16. Jahrhundert verfeinerte der Teemeister Sen no Rikyū die Teezeremonie, Chanoyu, zu der Form, die bis heute gepflegt wird: ein stilles, sorgfältig choreografiertes Ritual in einem kleinen, schlichten Teeraum, getragen von den Idealen Harmonie, Respekt, Reinheit und Stille.

Ein Matcha-Bambusbesen neben einer Teeschale und einer Teedose
Der Bambusbesen, Chasen genannt, ist für die Zubereitung von Matcha unverzichtbar. Die Methode kam aus dem China der Song-Zeit nach Japan und hat sich dort bis heute gehalten.

Lose Grüntees wie Sencha kamen erst später, im 18. Jahrhundert, auf. Dem in Japan entwickelten Dämpfen verdanken japanische Grüntees ihren grasigen, an Meeresbrise erinnernden Geschmack, während chinesische Grüntees, die in der Pfanne erhitzt werden, nussig und röstig schmecken.

Ming-Dynastie: Der lose Tee setzt sich durch

1391 ordnete Hongwu, der erste Kaiser der Ming-Dynastie, an, dass Tributtee als loses Blatt statt als gepresster Kuchen abzuliefern sei, angeblich um den Bauern die mühsame Herstellung der Kuchen zu ersparen. Was auch immer der Grund war – die Folgen waren dauerhaft. Ganze Blätter in heißem Wasser ziehen zu lassen, wie man Tee heute fast überall auf der Welt zubereitet, wurde in China zur Regel.

Damit kamen neues Teegeschirr, darunter die kleinen unglasierten Tonkännchen aus Yixing, und neue Teesorten auf. Oolong und Schwarztee entstanden beide in der Provinz Fujian in der späten Ming- und frühen Qing-Dynastie. Schwarzer Tee, der auch lange Seereisen gut überstand, sollte später den Westen erobern.

Tee reist nach Westen

Tee wurde schon seit Jahrhunderten über Land gehandelt, auf der Tee-Pferde-Straße nach Tibet und auf Karawanenrouten nach Zentralasien und Russland. In Europa hörte man jedoch erst im 16. Jahrhundert von ihm, durch portugiesische und italienische Reisende. Die Niederländer brachten um 1610 die erste kommerzielle Teeladung nach Europa.

In England wurde Tee erstmals in den 1650er-Jahren in Londoner Kaffeehäusern verkauft. Den großen Durchbruch brachte Katharina von Braganza, die portugiesische Prinzessin, die 1662 Karl II. heiratete und ihre Vorliebe für Tee an den englischen Hof mitbrachte. Innerhalb eines Jahrhunderts wurde aus dem Luxusgut ein Nationalgetränk, begünstigt durch sinkende Preise und lange Zeit auch durch einen blühenden Schmuggel, der die hohen Steuern umging.

Schweden und die Schwedische Ostindien-Kompanie

Schweden spielte im europäischen Teehandel eine echte Rolle. Die Schwedische Ostindien-Kompanie (Svenska Ostindiska Companiet), 1731 in Göteborg gegründet, schickte über siebzig Jahre lang Schiffe nach Kanton, dem heutigen Guangzhou. Tee war mit Abstand die wichtigste Fracht. Ein großer Teil davon ging auf Auktionen an Käufer aus anderen Ländern, und manches wurde anschließend nach Großbritannien geschmuggelt.

Das berühmteste Schiff der Kompanie, die Götheborg, sank 1745 auf der Heimreise aus China an der Einfahrt zum Göteborger Hafen, beladen mit Tee, Porzellan und Seide. Ein Teil des Tees, den man Jahrhunderte später aus dem Wrack barg, soll noch trinkbar gewesen sein. In Göteborg entstand ein originalgetreuer Nachbau des Schiffes, der 2005–2007 nach China segelte.

Politik, Imperium und Plantagen

Tee hat Weltgeschichte geschrieben. 1773 kippten amerikanische Kolonisten aus Protest gegen die britische Besteuerung Kisten mit Tee der East India Company in den Hafen von Boston. Die Boston Tea Party wurde zu einem der Funken, die die Amerikanische Revolution entzündeten.

Großbritanniens Durst nach chinesischem Tee verursachte ein riesiges Handelsdefizit, das die East India Company auszugleichen versuchte, indem sie indisches Opium nach China verkaufte. Die Folge waren die Opiumkriege von 1839–1842 und 1856–1860, ein dunkles Kapitel, in dem Tee mit Drogen und Krieg verquickt war.

Um von China unabhängig zu werden, machte sich Großbritannien daran, Tee in den eigenen Kolonien anzubauen. 1823 zeigte man dem schottischen Händler Robert Bruce wild wachsende Teepflanzen in Assam, und Ende der 1830er-Jahre kam Assam-Tee in London in den Handel. Ende der 1840er-Jahre reiste der Botaniker Robert Fortune im Auftrag der East India Company verkleidet durch China, schmuggelte Tausende Teepflanzen und Samen außer Landes und warb erfahrene Teearbeiter an. Viele dieser Pflanzen landeten in den Ausläufern des Himalaya rund um Darjeeling.

In Ceylon, dem heutigen Sri Lanka, war Kaffee lange das wichtigste Anbauprodukt. 1867 gründete James Taylor in Loolecondera die erste kommerzielle Teeplantage der Insel, und als die Blattkrankheit Kaffeerost in den 1870er-Jahren die Kaffeeplantagen zerstörte, stiegen die Pflanzer auf Tee um. Bis heute verkauft Sri Lanka seinen Tee als Ceylon-Tee.

Ein einzelner Baum an einem mit Teesträuchern bedeckten Hang in Sri Lanka
Eine Teeplantage im Hochland von Sri Lanka. Tee ersetzte auf der Insel den Kaffee, nachdem der Kaffeerost in den 1870er-Jahren die Plantagen ruiniert hatte.

Das Plantagensystem machte Tee zum Massengetränk, beruhte aber auf harter und oft ausbeuterischer Arbeit, geleistet zu einem großen Teil von Arbeitskräften, die man aus Südindien holte. Faire Löhne und Arbeitsbedingungen auf Teeplantagen sind bis heute ein Thema – einer der Gründe, warum viele Teekäufer auf Direkthandel oder auf Fairtrade- und Rainforest-Alliance-Zertifizierung achten.

Afternoon Tea und die moderne Tasse

In den 1840er-Jahren soll Anna, Herzogin von Bedford, damit begonnen haben, am späten Nachmittag Tee mit Butterbrot und Kuchen zu nehmen, um die lange Zeit zwischen Mittagessen und spätem Dinner zu überbrücken. Der Afternoon Tea wurde zum gesellschaftlichen Ritual der feinen Welt und ist bis heute eine britische Institution.

Ein Schwarz-Weiß-Foto: Tee wird an einem Tisch aus einer silbernen Teekanne eingeschenkt
Afternoon Tea: eine viktorianische Gewohnheit, aus der ein beständiges Ritual wurde.

Im 20. Jahrhundert wurde Tee zum Industrieprodukt. Der Teebeutel, als dessen Erfinder oft der New Yorker Händler Thomas Sullivan gilt, der um 1908 Proben in kleinen Seidenbeuteln verschickte, machte die Zubereitung schneller und sauberer. Das in den 1930er-Jahren in Assam entwickelte CTC-Verfahren lieferte kräftigen, schnell ziehenden Tee für Beutel. Eistee, in den USA populär geworden, wurde zum Sommerklassiker, und später trat Bubble Tea aus Taiwan seinen Siegeszug um die Welt an.

Zugleich wuchs eine Gegenbewegung. Seit dem späten 20. Jahrhundert bringen Teefachgeschäfte ganzblättrige Tees aus einzelnen Gärten und Regionen Chinas, Japans, Taiwans und Indiens zu den Teetrinkern im Westen zurück. Tee-Abos sind Teil dieser Geschichte: ein einfacher Weg, Tees zu entdecken, die du im Supermarkt nie finden würdest – direkt von Menschen, die sie mit Sorgfalt auswählen.

Im nächsten Kapitel sehen wir uns die sechs Teesorten genauer an, die diese Läden führen.

Häufige Fragen

Woher kommt Tee?

Die Teepflanze stammt aus der Grenzregion, in der der Südwesten Chinas auf Myanmar, Laos und den Nordosten Indiens trifft. Der älteste handfeste Beleg für das Teetrinken fand sich im Grab von Kaiser Jing aus der Han-Dynastie, der 141 v. Chr. starb.

Wann kam Tee nach Europa?

Niederländische Händler brachten um 1610 die erste kommerzielle Teeladung nach Europa. In England kam Tee in Mode, nachdem Katharina von Braganza 1662 Karl II. geheiratet hatte.

Welche Rolle spielte Schweden im Teehandel?

Die 1731 in Göteborg gegründete Schwedische Ostindien-Kompanie handelte über siebzig Jahre lang mit Kanton, und Tee war ihre wichtigste Fracht. Ihr Schiff Götheborg sank 1745 vor Göteborg, beladen mit Tee und Porzellan.

Wer hat den Teebeutel erfunden?

Als Erfinder gilt oft Thomas Sullivan, ein New Yorker Teehändler, der um 1908 Proben in kleinen Seidenbeuteln verschickte. Ganz gesichert ist diese Geschichte allerdings nicht.